Auf ein fettes, faules und freies neues Jahr

JulesFuchs2018Wenn man gerade den alljährlichen Wahnsinn des Weihnachtsfestes überstanden hat, hält unsere Kultur ja noch einen letzten Feieranlass in dem alten Jahr parat: Silvester. Während in allen Medien die Legende eines Ritus der guten Vorsätze wachgerufen wird, Lifestylezeitschriften und Healthy Living Blogs schon wieder altbewährte und auf neu getrimmte Diätkonzepte, Alkoholabstinenz- und Nikotinentwöhnungstricks aus den Schubladen gekramt und mit neuen Pics aufgemotzt haben, erscheinen in dieser Jahresendzeitstimmung auch Prophezeiungen neuer Wege aus dem Singledasein, dem unbefriedigenden Berufs– oder Sexualleben oder Kinderlosigkeit mithilfe von hypnotherapeutischem Coaching. Ein Streifzug durch die Werbebotschaften des Internets macht es dieser Tage zwischen den Tagen möglich, den Zeitgeist unserer Gesellschaft einzufangen. Und irgendwie fällt mir auf, wie wenig ich offensichtlich zur Zielgruppe dieser Angebote zähle. Oder es mir zumindest so zurechtlege. Denn auch ich bin in diesem Jahr des Öfteren wieder in die Selbstoptimierungsfalle getappt und habe es währenddessen nicht einmal mitbekommen. Das nehme ich nun zum Anlass, um mich mit dem Ritual des guten Vorsatzes betraut zu machen: Indem ich es praktiziere. Weiterlesen

Weihnachten im gebärfreudigen Alter.

Als wir Kinder waren, mein Bruder und ich, da haben wir einige Wochen vor Weihnachten immer einen Wunschzettel geschrieben. Mehrere Stunden habe ich damit verbracht dem Christkind mithilfe von mehr oder weniger abstrakten Buntstiftstiftzeichnungen zu verklickern, was es mir doch alles Schönes zu Weihnachten bringen möge.

the nightmare before christmas disney GIF

Quelle: giphy

Magisch wurde es dann, wenn der Wunschzettel plötzlich über Nacht von der Fensterbank verschwunden war. Meine Mama hatte dann stets die einzig plausible Erklärung parat: Es wurde abgeholt. Ja, und sie habe sogar gesehen von wem. Es war ein kleines Kind, weiß gewandet, mit lockigen Haaren und Flügelchen auf dem Rücken. Natürlich glaubte ich das. Ich meine, ich war fünf. Manchmal wünschte ich mir, es wäre immer noch so einfach das Christkind postalisch zu erreichen. Doch heute verrichteten hauptsächlich die gestressten und schlecht bezahlten Männer von DHL das Weihnachtspostgeschäft. Und spätestens seit ich irgendwann die selbstgeschriebenen Wunschzettel im Küchenschrank hinter weiteren gesammelten Urlaubspostkarten von Verwandten und Bekannten unserer Familie wiederfand, war mein Glaube an ein kleines Engelchen mit goldenem Haar, das uns jedes Jahr mit Weihnachtsgeschenken versorgte, verflogen wie ein Seifenblasenschloss und damit hatte wohl auch schlussendlich meine Kindheit ein Ende gefunden, sollte man meinen. Aber wer bestimmte eigentlich darüber, wann Kindheit anfing und wann Kindheit aufhörte? Der Oberste der Spielzeuglobby? Das Jugendamt? Rousseau oder doch der liebe Gott? Weiterlesen