DER HOMO-WITZ.

Rekonstruierte Beobachtungen.

So richtige Männerfreundschaften von außen mit anzusehen, zu erleben, zu fühlen, das ist ein schönes Ding; und generell: es ist einfach wundervoll Zeugin davon zu werden, wenn Menschen einander lieben, egal von welcher Art Liebe wir jetzt sprechen. Die sozialen Erwartungen der Inszenierung von Frauenfreundschaften unterscheiden sich von Grund auf von der Performanz maskuliner freundschaftlicher Liebesbekundungen in der Öffentlichkeit. Weiterlesen

30 UND ROMANTISCH WIE EINE BROTKRUSTE.

Ein Mann, eine Frau, ein Herbstabend – man steht gemeinsam unter dem klaren Sternenhimmel und erblickt den großen Wagen, wie er seine Achse gleich über dem in Gold erleuchtenden Dom mit seinem verträumten Spiegelbild im ruhig daniederliegenden Elbearm erleuchten lässt. Es ist still und wenn mich nicht alles täuscht, wäre dies der richtige Moment  für eine erste zaghafte zärtliche Annäherung, sei es indem er ihre Hand ergreift oder auch nur ein Kompliment über ihr schönes Lächeln rausrückt. It‘s romance, um es zeitgemäß mit einem Anglizismus zu kommentieren. Früher, so mit 17 oder 20, also zu der Zeit, noch bevor Anglizismen in die Gefühlswelt der Menschen Einzug gehalten hatten (schließlich nannte man damals nicht seinen Freund Discman, sondern seinen portablen Plattenspieler), da hätte man das noch schlicht und ergreifend als romantischen Augenblick bezeichnet. Dieses ganze Szenario mit dem Sternenhimmelmotiv. Man hätte sich als Zuhörer*in dieser Narration vielleicht die Szene mit den beiden so am Elbeufer des Nachts unter dem glänzenden Sternenreigen in seinem Kopf ausstaffiert mit schöner Musik, vielleicht Paula Cole oder einem netten Song aus der Grey’s Anatomy-Compilation. Und man hätte geschwelgt in dieser Vorstellung von dem Moment, in welchem sich zwei Menschen einander näher kamen. Weiterlesen

Das Casablanca-Gefühl.

casablancaWenn du einmal angefangen hast für einen Menschen ein tiefes, warmes und vielleicht manchmal viel zu intensives Gefühl zu empfinden, dann  wird dir – selbst wenn es verloren gehen sollte in den wilden Wogen nachfolgender negativer und positiver Erlebnisse in deinem Leben – dieser Mensch immer nahe sein, egal wohin du gehst, dich drehst. Die Erinnerung an diesen Menschen zeigt dir, dass  Liebe nicht vergänglich ist, sondern nur die Umstände, die Zeit sie verändert, verlagert, transformiert und wenn du eine Zeitmaschine hättest, mit der du zurück in die erste Phase dieses Gefühls reisen könntest, so würdest du dich gegen diese Reise zurück entscheiden.  Weiterlesen

FEMINISMUSHATER.

Feminismus. Feminismus. Feminismus. Buhhhh.

Na, hast du Angst? Bist du genervt? Oder musst du bei dem Wort brechen? Denkst du an BH-verbrennende unrasierte männermeidende Alt-68er-Frauen, die wie Godzilla überlebensgroß die Städte entern und mit ihren Laserstrahlaugen gelbe Hassblitze hinunter auf die patriarchale Welt prasseln lassen? Oder an Jutebeutel-tragende Hipster-Girlies mit zutätowierten Armen und Undercuthaarschnitt, die sich ständig mit ihren Freund*innen über alte Folgen der Gilmore Girls unterhalten und über genderkorrekte Schreibweisen und die Einzigartigkeit ihres Feminismus streiten? Naja, an der Stelle, wo viele andere stehen bleiben, legen die meisten Feminist*innen wenigstens eine rege Diskussionskultur an den Tag. Denn reden, Diskurs, ja das ist ja bekanntlich ein grundlegendes Merkmal eines demokratischen Systems. Auch, wenn reden manchmal anstrengend ist, der Mensch meint, seine Befähigung hierzu unterscheide ihn vom Tier. Weiterlesen

Wie wir beide zu Sexobjekten wurden.

Als ich dich das erste Mal sah, da dachte ich: „Oh Gott, schon wieder ein typischer tätowierter Hipster aus dem Pott.“ Und ich kam dir näher, wusste direkt, du bist ein Mann, der viele Frauen hatte und haben wird, weil du, genauso wie ich, niemals genug bekommen kannst und immer auf der Suche nach Input bist, in jeglicher Form. Wie ein Wolf auf Beutesuche stromerst du durch die Straßen des Reviers, findest dann und wann ein kleines Stück Essbares hier und da. Du kommst schon klar. Weil du Künstler bist. Und so standen wir uns gegenüber, wir zwei Wölfe und zwischen uns dein bester Freund, meine aktuelle Beute. Hatte ihn schon fast satt, aber meine Zeit mit ihm zu verschwenden war es mir wert, da ich Dich dann und wann mal zu Genuss bekam. Du warst der Bonus in diesem recht spärlichen Mahl. Unsere Blicke streiften umher und wussten voneinander, dass sie genauer hingesehen hatten. Dann und wann. Was war das, was wir da fühlten? War es unsere Gemeinsamkeit als einsamer Wolf unterwegs zu sein? Die Hoffnung auf Anerkennung, darauf verstanden zu werden? Jedenfalls verband uns etwas, obwohl wir noch nie ein Wort miteinander sprachen. Hach und wie du dich bewegtest, das war sexy; die Dinge, die du realisiertest, ich sammelte alle Informationen über dich, die er mir geben konnte. Wie ein ausgemergeltes Tier las ich sie auf, nährte mich von ihnen und konnte wieder kreativ sein für eine Weile.  Weiterlesen

ONE DAY in Magdeburg.

Es ist Sonntag in Magdeburg, ein Tag, an dem man entweder gerne als Alkoholleiche seine Zeit im Bett verliegt und davon träumt, dass intravenös Vanillepudding über einen hereinbricht oder an dem man nach einer durchzechten Nacht morgens um 11 Uhr von den lebhaften Gesprächen der Menschen aus der WG-Küche geweckt wird, die sich vor  sechs Stunden sturzbetrunken – aber nicht weniger souverän und glaubwürdig – zum Brunchen verabredet hatten. Nach einem zweistündigen Aufwachritual mit allem Pipapo (in allererster Linie spreche ich hier von Kaffee) kommen die Anekdoten der letzten Nacht auf den Tisch.

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Quelle: giphy.com

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BOMBEN ZERSTÖREN VIELLEICHT HÄUSER, ABER NICHT DIE LIEBE.

 

Kennt ihr das, wenn man über das blank getretene Pflaster einer Jahrhunderte alten Stadt geht, vorbei an den geschichtsträchtigen Gemäuern, die mit vielen fleißigen Händen über Jahrzehnte hochzogen wurden und ihr daran denken müsst, wer hier alles schon vorbeigegangen war?  Da beginnt das Kopfkino. Das Geschichtenerzählen über das Gute und über das Böse.

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Ich blicke auf den Dom, denke an das, was er alles schon erlebt hat. Tausende von Menschen sind über die Zeit an ihm vorbeigezogen, haben in seinen Hallen gesungen, gepredigt, gebetet, Schutz gesucht, als die Stadt erschüttert wurde von Eindringlingen, von Feuer, von Bomben. Und trotzdem steht er noch. Wahrhaftig, mystisch und stolz. Weiterlesen

LASS SIE, SIE SIND DOCH NOCH KINDER.

Süffisant schlug Rosi ihre Beine übereinander und warf kokett ihr braunes Haar hinter ihre Schultern. Das Café war voll und beim Eintritt beschlugen einem sofort die Brillengläser. Reiner hatte seine Brille direkt nach dem Überschreiten der Türschwelle ins Warme abgenommen. Sein Erfahrungswissen hatte ihn zu diesem vorbeugenden Verhalten verholfen. So richtig clever kam er sich dabei allerdings nicht vor. Auf dem Weg von der Bahn bis zum Café war ihm aufgefallen, dass sein Hosenstall offenstand. Seine Hände, die an nun zu Affenarmen mutierten Gliedmaßen angedockt waren, versanken wie zwei schwere Ziegel in seinen Manteltaschen, damit der Gehrock seinen Schritt bedeckte und niemand die Zahnreihen seines geöffneten Reißverschlusses an seiner Hose, ein goldenes Krokodil, entdecken konnte. Weiterlesen